 | zum Ende hin . . . |  |
Verfasst am: 08.07.2007, 19:05 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Was ist sterben?
Die Augen taub,
die Ohren blind,
von außen Greis,
von innen Kind.
So kehr ich heim von meiner Reis’ -
das ganze Dasein ist ein Kreis.
Das Auf und Ab, Vor und Zurück -
es währt nur einen Augenblick.
Bevor ich hier war, war ich dort -
denk nicht, es ist ein andrer Ort.
Ich bin noch hier, du bist schon da -
und doch es ist, wie’s immer war.
Sie sind doch Eins: Tod und Geburt -
bevor das Leben treibt die Furt.
Und wieder werden Eins sie sein -
tritt Tod in unser Leben ein.
Das Leben hat das Eins getrennt
und dich und mich geschaffen.
D'rum suchen wir und sehnen süchtig
nach Einheit - sie ist lebend flüchtig.
gcr 2006 |
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Verfasst am: |
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Verfasst am: 08.07.2007, 22:12 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Hallo Grete,
Was ist sterben?
Deine Zeilen haben es auf den Punkt gebracht. Ein sehr schönes Gedicht.
Gute Nacht
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
www.ritahajak.de Wieder mal neu |
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Verfasst am: 08.07.2007, 23:52 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Grenzen (trennen) und Brücken (verbinden) haben mich seit eh und je interessiert. Folglich konnte ich auch an Deinen Zeilen nicht vorbeikommen. Ich finde, es geht etwas von ihm aus, was zum Denken und Nachdenken anregt. Beides tue ich gern.
| Zitat: | Die Augen taub,
die Ohren blind, |
Die ersten beiden Verse hielt ich zunächst für ein Stilmittel, da es sich jedoch nicht wiederholt, kommen mir Zweifel: Ist es eine zufällige Vertauschung von Augen und Ohren, oder soll sie sagen, dass der Sterbende nicht mehr aller Sinne mächtig ist?
| Zitat: | | Sie sind doch Eins: Tod und Geburt - |
Das wäre ja fast wieder ein herrlicher Stoff für eine schöne Diskussion, aber ich beherrsche mich. Nur so viel sei gesagt: Sie haben etwas gemeinsam, beide stellen nämlich die äußersten Grenzen des Lebens dar, aber sie unterscheiden sich auch in einem wichtigen Punkt: Geburt ist Ankunft und Tod ist Abschied. Das gilt aber nur, wenn wir die Grenzen menschlichen Erkenntnisvermögens berücksichtigen. Aus der Sicht eines Wissenden oder tief Glaubenden sähe es entgegengesetzt aus: Geburt wäre ein vorübergehender Abschied vom Dasein außerhalb dessen, was wir Menschen Leben nennen, und der Tod wäre die Rückkehr in die frühere Daseinsform.
| Zitat: | von außen Greis,
von innen Kind. |
Wie wahr, wie wahr! Es ist ein Phänomen, dass sich das Kind ein ganzes Leben hindurch in einem halten kann.
Es ist ein schönes Gedicht und bietet vieles, worüber es sich nachzudenken lohnt.
Liebe Grüße und gute Nacht
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 09.07.2007, 09:12 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Guten Morgen!
Wolf-Gero du schreibst:
| Zitat: | | Das wäre ja fast wieder ein herrlicher Stoff für eine schöne Diskussion, aber ich beherrsche mich. |
Das ist ein herrlicher Stoff für eine schöne Diskussion, warum bremst Du Dich aus?
| Zitat: | | Aus der Sicht eines Wissenden oder tief Glaubenden sähe es entgegengesetzt aus: Geburt wäre ein vorübergehender Abschied vom Dasein außerhalb dessen, was wir Menschen Leben nennen, und der Tod wäre die Rückkehr in die frühere Daseinsform. |
Aus dieser Sicht ist das Gedicht geschrieben. Das Leben als vorübergehender Abschied aus dem Teil des Daseins, der frei ist von Raum und Zeit. Wobei ich mir erlaube, das Wort Geburt nicht im gebräuchlichen Sinne von: den Mutterleib / das Ei verlassen – sondern als Zeitpunkt der Zeugung zu sehen. Definitiv ist das für mein Verständnis - der Zeitpunkt, in dem ein Individuum entsteht. Da es für unser physikalisches Auge nicht sichtbar ist (mal abgesehen von den heutigen technischen Möglichkeiten) - und weil es nur abhängig lebensfähig ist, wird im üblichen Sprachgebrauch die Geburt auf das Schlüpfen (sichtbar werden) reduziert.
Der erste Teil des Gedichtes ist zum einen natürlich eine Aussage über die man stolpert – zunächst ein Versehen, das ich aber dann so habe stehen lassen. Es ist auch hier ein Hinweis enthalten: es gibt keine Differenzierung mehr zwischen Sehen und Hören. Die Funktionen erlöschen und sind damit wieder Eins: Für uns – in der Daseinsform zwischen Tod und Geburt - nicht mehr erfahrbar. Es ist aber bekannt, dass eine andere Wahrnehmungsform dadurch stärker hervortritt: Die Intuition und eine Form des „Wissens“, das nicht aus erlebten irdischen Erfahrungen stammt. Sie beinhalten wesentlich mehr Möglichkeiten als unsere 5 Sinne.
Das Kind in uns „kann“ sich meiner Ansicht nicht nur erhalten, sondern ist immer da. Es kann verschüttet werden aber es kann nicht verschwinden. Gemeint ist vor Allem damit, dass Gefühle und Gedanken, Träume, Wünsche etc. auch im hohen körperlichen Alter noch genauso intensiv wirken können, wie in ganz jungen Jahren. Sie altern nicht. Wohl kann man sie mit Hilfe des Verstandes und bei schlechter Verarbeitung von negativen Erlebnissen drosseln und nicht mehr zulassen. Aber grundsätzlich unterliegen sie nicht dem Alterungsprozess.
LG Grete |
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Verfasst am: 09.07.2007, 18:41 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Dein Gedicht gehört zu den Kreationen, die nicht auf Anhieb alles preisgeben. Bei jedem Lesen entdeckst Du neue Seiten, über die Du nachdenken kannst.
Ich werde es mir zusammen mit Deinem Kommentar herunterladen und in mein literarisches Schatzkästchen legen.
| Zitat: | | Wobei ich mir erlaube, das Wort Geburt nicht im gebräuchlichen Sinne von: den Mutterleib / das Ei verlassen – sondern als Zeitpunkt der Zeugung zu sehen. Definitiv ist das für mein Verständnis - der Zeitpunkt, in dem ein Individuum entsteht. |
Du hast völlig recht, die Geburt auf den Zeitpunkt des Schlüpfens zu legen ist ein willkürlicher Schritt, zumal das geschlüpfte Wesen üblicherweise auch dann noch nicht allein leben kann. Dahinter stehen, wie ich vermute, reine Praktikabilitätsüberlegungen. Mit einer winzigen Zeitverschiebung würde ich mich voll hinter Deine Definition stellen. Ich meine, der Mensch ist erst festgelegt, wenn sich Ei und Samenzelle vereinigt haben. Bei mehreren Millionen Samenzellen ist die endgültige Festlegung des zukünftigen Menschen schon allein von der Anzahl her noch offen.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 09.07.2007, 19:04 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
| Zitat: | | Mit einer winzigen Zeitverschiebung würde ich mich voll hinter Deine Definition stellen. Ich meine, der Mensch ist erst festgelegt, wenn sich Ei und Samenzelle vereinigt haben. |
Ein Satz zur Definition von Zeugungszeitpunkt:
Wenn ich den Augenblick der Zeugung anführe, dann ist das jener alles entscheidende Moment, wo Ei und Samenzelle verschmelzen - also die Festlegung aller Eigenschaften und Merkmale des neuen Lebens - oder bin ich da falsch informiert?
LG Grete |
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Verfasst am: 09.07.2007, 20:00 |
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| danysahne |
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Gefällt mir sehr gut, obwohl ich Gedichte nicht wirklich mag... Regt zum Nachdenken an... und offenbart bei jedem erneuten Lesen neue Facetten... |
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Verfasst am: 09.07.2007, 21:48 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
| Zitat: | Ein Satz zur Definition von Zeugungszeitpunkt:
Wenn ich den Augenblick der Zeugung anführe, dann ist das jener alles entscheidende Moment, wo Ei und Samenzelle verschmelzen - also die Festlegung aller Eigenschaften und Merkmale des neuen Lebens - oder bin ich da falsch informiert? |
Ich ging irrtümlich vom Akt aus, bei dem ja die Zeugung noch gar nicht stattfindet, da die Samenzellen noch wandern müssen. Doch dieser Ansatz war falsch, denn nicht jeder Akt führt zur Zeugung. Wenn Du mit Zeugung die Vereinigung meinst, dann meinen wir denselben Zeitpunkt. Der Unterschied lag nur in der Bezeichnung.
Ich habe noch in einige Bücher gesehen, doch über das, was Zeugung ist, drücken sie sich nicht präzise aus. Aber wenn ich das gewichten soll, dann ist Deine Definition näher an deren Erklärung.
Ich stimme Dir also zu: Die Zeugung ist die Verschmelzung von Ei und Samenzelle und damit der Beginn des irdischen Lebens. Jeder andere Zeitpunkt ist willkürlich, unabhängig davon, ob er vor dem "Schlüpfen" liegt, damit zusammenfällt oder danach kommt.
Diese Festlegung gefällt mir immer besser, je häufiger ich darüber nachdenke. Ich überlege im Augenblick, ob ich es nicht doch als Diskussionsthema einstelle, falls Du es nicht selbst hineinstellen möchtest.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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Verfasst am: 09.07.2007, 22:20 |
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| Rita Hajak (Moderator) |
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Hallo Grete, hallo Wolf-Gero,
habe Eure Ausführungen aufmerksam verfolgt.
Kennt Ihr denn nicht den "Augenblick" der Zeugung?
Einer Spermie gelingt es in die Hülle der Eizelle durchzubrechen und sich einzunisten. Sofort verfestigt sich die Hülle wieder und ein weiteres Eindringen von Spermien ist nicht mehr möglich.
Ein tolles Thema. Fangt ruhig an.
Da siehst Du, Grete, was Dein wunderschönes Gedicht alles bewirkt.
Gute Nacht wünsch
Rita |
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_________________ „Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich
aus den Dingen etwas zu machen.“
Thomas Mann
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Verfasst am: 10.07.2007, 05:30 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Rita,
ich denke wir kennen den Unterschied - es war nur ein Missverständnis - und da man bei Wolf-Geros Texten sehr genau auf die verwendeten Worte achten muss, weil ich denke, dass er sie sich sehr genau überlegt, wollte ich das Missverständnis aus der Welt bringen.
LG Grete |
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Verfasst am: 10.07.2007, 20:19 |
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| g.c.roth (Moderator) |
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Hallo Wolf-Gero,
| Zitat: | | Ich überlege im Augenblick, ob ich es nicht doch als Diskussionsthema einstelle, falls Du es nicht selbst hineinstellen möchtest. |
Mach Du das nur, das ist Deine Themenabteilung.
Wobei ich die Frage nicht auf menschliches Leben reduzieren würde, sondern jede Lebensform einbeziehen würde. So langsam kommt ja auch die Wissenschaft dahinter, dass uns oft von anderen Lebensformen lediglich 2-3 Gene und/oder ihre Zusammenstellung unterscheiden!
LG Grete |
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Verfasst am: 11.07.2007, 10:37 |
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| wgbajohr (Moderator) |
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Hallo Grete!
Ich werde das Thema schon einmal durch meine Gehirnwindungen laufen lassen. Sobald ich zeitlich etwas mehr Luft habe und mir außerdem ein guter Aufhänger eingefallen ist, werde ich das Thema aufgreifen. Ich gebe Dir recht, es wäre falsch, dieses Thema nur auf den Menschen zu beschränken. Gerade hier bietet es sich an, vom Leben als einer eigenständigen Größe auszugehen. Menschen, Tiger, Kohlmeisen, Ameisen, Amöben, sie alle sind dann Versuche des Lebens, sich selbst zu erhalten. Ich bin zuversichtlich, dass in dem Thema mehr steckt, als es auf den ersten Blick zu sein scheint.
Liebe Grüße
Wolf-Gero |
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